Torben Schultz

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Nachtrag: Segelflugplatz Wanlo

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Anfang diesen Jahres habe ich mich mal kurz zum Segelfugplatz Wanlo geäußert (hier zu lesen).

Kurz zusammengefasst geht es darum, dass Wanlo nicht nur durch den nahen Tagebau, sondern auch durch andere Faktoren schon ein Stadtteil mit höherer Belastung als vergleichbare Stadtteile ist. Ein Vergleich mit den innerstädtischen Stadtteilen verbietet sich.
Und in Wanlo ist ein Segelflugplatz, der bis jetzt rein mit Windenstarts arbeitet, jetzt aber bei der zuständigen Bezirksregierung einen Antrag auf Zulassung von Schleppstarts mit Ultraleicht-Flugzeugen gestellt hat. Ich hatte damals dargestellt, dass mir erst mal wegen dem Sozialen Miteinander und der Jugendarbeit alle Vereine gleich am Herzen liegen und ich mich somit auch mit dem Segelflugverein befasse.
Am Ende kam ich jedoch zum Schluss, dass in Abwägung Interessen Verein und Interessen AnwohnerInnen der Einsatz von Ultraleicht-Flugzeugen eine Art „öffnen der Büchse der Pandora“ darstellt und deswegen die Interessen des Vereins zurückstehen müssen. Letztlich auch, weil ich nicht unnötig umweltverschmutzenden Flugverkehr fördern will.

Nun ist aber die Diskussion nicht stehen geblieben und so möchte ich auch das hier mal schildern.

Die Ultraleicht-Flugzeuge sind genehmigungsrechtlich dreiachsgesteuerte, motorisierte Sportgeräte. Also etwas ganz anderes als normale Flugzeuge. Dem Segelflugverein gehört auch eine kleine Gruppe von Motorflugzeugen an. Diese ist aber am Flugplatz in Neuwerk angesiedelt und da sind auch keinerlei Planungen, dass diese umziehen. Und das wäre auch gar nicht so ohne weiteres denkbar, da dann eine wirkliche Umwidmung des Geländes stattfinden müsste, technisch neue Geräte für den Motorflug installiert werden müssten und vermutlich sogar der Luftraum neu geordnet werden müsste.
Also bei allen verständlichen Ängsten kann ich inzwischen nicht mehr erkennen, dass außer durch Ausnahmegenehmigungen wie einem Tag der Offenen Tür irgendwie Motorflug in Wanlo denkbar ist.

Wir reden also wirklich nur über Ultraleicht-Flugzeuge.

Interessant aber ist in diesem Zusammenhang, wovor der Segelflugplatz schützt:
Vor mehr Fluglärm aus Düsseldorf!

Es ist nämlich so, dass die Anflughöhe auf Düsseldorf so bestimmt ist, dass die Segelflieger da drunter ihren eigenen Luftraum haben (z.Zt. bei 1067m und in Wickrath bei 763m). Wäre der Segelflugplatz nicht da, würden sofort diese Anflughöhen gesenkt werden, da damit eine bessere Auslastung des Flughafens Düsseldorf möglich wäre. Dies würde dann einen deutlichen Anstieg an Fluglärm bedeuten.
So gesehen muss der Segelflughafen in Wanlo im Interesse der AnwohnerInnen bestehen bleiben.

OK, das zweifelt erst mal auch niemand an, aber die Ultraleicht-Flugzeuge sind unerwünscht.

Da wäre es mal Interessant zu schauen, wie viele Starts es denn so wären?
Und das kann ich nicht sagen, der Verein nennt die Zahl 2-3 Starts an 15 Wochentagen im Jahr.

Und ich hab herausgefunden, dass ein Windenstart etwa 2 Liter Sprit verbraucht. Der Start mit dem Ultraleicht-Flugzeug etwa 3 Liter. Soweit also kein wirklicher Kostenfaktor, jedoch ist Wartung und weitere Prüfgebühren ein Punkt, der den Ultraleicht-Start deutlich teurer machen (Windenstart ca. 5 Euro, UL-Start ca. 30 Euro).
Damit ist der Einsatz eigentlich nur interessant, wenn es um Streckenflug geht, wo die Segelflugzeuge dann etwa 2 Stunden vorm Einsetzen der Thermik schon in die entsprechende Höhe gebracht werden können.
Also würde ich davon ausgehen, dass der Windenstart Standard bleibt und die Ultraleicht-Flugzeuge nur kurz über dem Gebiet von Wanlo fliegen. Dafür aber vermutlich genau dann, wenn die Familie im Sommer draußen Frühstückt :(

Nun hatte ich ja damals schon den UL-Lärm mit dem einer Vespa verglichen, und davon fahren nur gerade in den Außenbezirke gerne die Jugendlichen auf und ab und hin und her. Der UL-Start ist beim Anschleppen am Boden etwa 200m weit zu hören. Später in der Luft nimmt dann zwar der Lärmpegel ab, aber ist in einem weiteren Umkreis zu hören.
Doch wie laut ist das nun? Da hat die RWTH Aachen Messungen durchgeführt, die auch für das Genehmigungsverfahren nötig sind. Manche dieser Messungen mussten wiederholt werden, weil 30 Meter vom Messpunkt entfernt ein Auto längs fuhr. Und damit sind wir wieder bei meinem Vespa Vergleich!

Somit mal als „neuer“ Zwischenstand:
Das in Wanlo ein Motorflugplatz entsteht ist ausgeschlossen, dass die UL-Starts überhand nehmen ist unwahrscheinlich. Das es mehr Lärm geben wird ist klar!

Also alles wie im Januar … nur mit etwas anderen Parametern, aber es muss weiter abgewogen werden.

 

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Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht.

Ulrike Meinhof am 11. April 1968

Anmerkung: Der Ausspruch stammt aus einem Zusammenhang, der auch kritisch hinterfragt werden muss!